25.06.2012 (Kommentare: 0)

„Wir wollen stolz auf unsere Arbeit sein!”

 

An Kongressen zur Bürgerbeteiligung mangelt es derzeit wirklich nicht. Hier einige subjektive Eindrücke von zwei sehr unterschiedlichen Tagungen, die direkt aufeinander folgten: dem Netzwerktreffen Bürgerbeteiligung in Köln und dem Global Forum des Presencing Institut in Berlin.

 
Dem erstmals organisierten Netzwerktreffen Bürgerbeteiligung gelang auf Anhieb ein erfolgreicher Einstand: Annähernd 100 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Agenturen und Zivilgesellschaft waren dem Ruf der Stiftung Mitarbeit zum eintägigen Netzwerken gefolgt. Auf der Agenda standen Themen wie „Qualitätskriterien der Bürgerbeteiligung” und „Kommunale Leitlinien und Leitbilder Bürgerbeteiligung”. Mich haben zwei Sätze, die eher nebenbei im Plenum fielen, besonders zum Nachdenken angeregt (frei aus der Erinnerung zitiert):
 
Wir bewegen uns von der Beteiligung hin zur Ko-Kreation.” Im ersten Moment noch prophetisch klingend, erscheint die Aussage angesichts der Haushaltslage in vielen Kommunen eher wie eine unumgängliche Konsequenz aus den schwindenden Handlungsspielräumen. 
 
Das zweite Zitat markierte dagegen ein bisher noch wenig thematisiertes Problem: „Wir alle wissen ja, wie schwierig es ist, Bürger zur Beteiligung zu gewinnen.” Spannend wäre es, sich in Zukunft auch darüber auszutauschen, welche Projekte fallende und welche steigende Teilnehmerzahlen verzeichnen. Hieraus könnte einiges über gelungenes Partizipationsdesign zu lernen sein.
 
Das Global Forum des Presencing Institut war mit 350 Teilnehmern bis auf den letzten Platz ausgebucht. Trotz der Größe des internationalen Auditoriums gelang es den Facilitatoren von Beginn an, eine intensive und persönliche Atmosphäre aufzubauen. Das begann schon damit, dass alle Teilnehmer sich im Plenum in Fünfergruppen fanden. Ich bin noch nie in so kurzer Zeit mit so vielen Menschen in einen intensiven Austausch gekommen. Eine Wohltat waren auch die immer wieder eingestreuten Momente von Stille, eine Praxis, die bisher leider selten Raum findet. 
 
Von den zehn Themen-Laboren war eines dem Thema „Government” gewidmet. Frei aus der Erinnerung vier Gedanken aus diesem Zirkel:
Alle sind frustriert: Bürger, Politiker und Verwaltungsleute - und das angesichts immer komplexer werdender Herausforderungen.” Keine Gruppe ist wirklich zufrieden mit dem, wie es läuft, ein vielfaches Gegeneinander bindet einen Großteil der Energien.
 
Dabei sind die Wünsche klar entgegengesetzt: „Wir [aus Politik und Verwaltung] wollen stolz auf unsere Arbeit sein.” Stolz darauf, dem Gemeinwesen bestmöglich zu dienen. 
 
Einer der Punkte, der dem entgegen steht: „Das Versprechen von Politikern, auf alles eine Antwort zu haben, ist ein ernstes Problem. Das ist doch heute nicht mehr möglich. Wie können wir Politiker davon erlösen?” Diese Haltung ist auch bei vielen Bürgern als Erwartung verbreitet: „Dazu haben wir sie doch gewählt.” 
 
Ein neues Verständnis der Aufgaben von Politik und Verwaltung blitzt dagegen im letzten Zitat auf: „Im Endeffekt geht es um eine neue Rolle von Politik und Verwaltung, sie müssen eine intelligente Beteiligung und Entscheidungsfindung organisieren, moderieren und für deren Umsetzung sorgen.
 
Rolf Schneidereit
Nachtrag:
Gestern erreichte uns passend zu den hier genannten Zitaten der Link auf einen sehr sehenswerten Vortrag von Manfred Hellrigl vom Vorarlberger Büro für Zukunftsfragen zum Thema „From Consumers to Citizens”. 55 Minuten, die sich wirklich lohnen. 


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