27.01.2014 (Kommentare: 0)

VDI forciert neue Dialogkultur bei Großprojekten

Wenn Öffentlichkeitsbeteiligung bei großen Infrastrukturprojekten in den nächsten Jahr mehr und mehr selbstverständlich wird, dürfte dies mit ein Verdienst des VDI sein. Mit der neuen VDI-Richtlinie 7000 hat der Verein Deutscher Ingenieure eine fundierte Prozessvorlage für eine frühe Öffentlichkeitsarbeit geschaffen. Vergangene Woche wurde sie in Berlin von 200 Experten aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft diskutiert. 

Von diesem Expertenforum ging ein sehr ermutigender Impuls aus. Das Bewusstsein für eine kontinuierliche und transparente Öffentlichkeitsbeteiligung sickert zunehmend in die Köpfe und Handlungsmaximen großer Vorhabenträger ein. Die Vertreter von Trianel, Tennet, Shell, Bayer, rheinenergie und vielen anderen belegten dies mit eindrücklichen Beispielen. Immer wieder blitzte dabei die Erkenntnis auf, dass man gemeinsam mit den betroffenen Stakeholdern zu besseren Lösungen gekommen ist. Wenn Nord Stream für und mit betroffenen Fischer neue Netze entwickelt, die auch ökologisch sinnvoll sind, geht der Nutzen über die direkten Stakeholder hinaus.

Stakeholder-Management ist der falsche Begriff 
Ein kleines Indiz für das zunehmende Bewusstsein fand sich auch in der Reflexion des verwendeten Begriffs "Stakeholder-Management" durch die Vertreterin der Bayer AG. Zu Recht wies sie darauf hin, dass wir Stakeholder nicht managen können. Dieser Begriff rufe ein falsches Bild hervor. Stattdessen schlägt sie den Begriff "Stakeholder-Engagement" vor.

Dialog nach innen vermitteln
Naturgemäß sind die für den Austausch mit Stakeholdern verantwortlichen Mitarbeiter tiefer mit den Bedingungen des Dialogs vertraut. In mehreren Beiträgen klang an, dass sie auch nach innen noch viel Vermittlungsarbeit zu leisten haben – ähnlich wie Verantwortliche es beim Thema CSR erleben.

 
Aufwand und Ertrag von Öffentlichkeitsbeteiligung
Ein weiteres Thema, das sich durch die Tagung zog, war die Frage von Aufwand und Ertrag der Beteiligung. Denn die freiwillige, frühe Öffentlichkeitsbeteiligung kostet Zeit und Geld in nicht zu unterschätzendem Ausmaß. Dennoch waren die Stellungnahmen der präsentierenden Vorhabenträger einhellig: „Wir haben eine Lernkurve hinter uns” und „Beteiligung findet in unserer Strategie mehr und mehr Platz". Wie Gisela Erler, die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg ankündigte, will das Land mit der Hochschule für Verwaltung in Speyer nun systematisch die durch Bürgerbeteiligung erzielten Effekte evaluieren lassen. Die Ergebnisse werden viele mit Spannung erwarten.
 
„Beteiligung ist kein Ponyhof”
Die Tagung wurde von Prof. Dr. Ortwin Renn mit einer gelungenen Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse des Tages beendet. Eine Erkenntnis lautete „Akzeptanzfalle": „Wer nur Akzeptanz will, darf nicht beteiligen”. Eine zweite lautete „Beteiligung ist kein Ponyhof” aber, „wenn Beteiligung gelingt, haben wir auf jeden Fall eines erreicht: Respekt für den Anderen.”
 
Hier noch einige weiterführende Links und Informationen
zur VDI-Richtlinie 7000 und den Aktivitäten des VDI:
Der bisher als Entwurf vorliegende Entwurf der Richtlinie wurde in Zusammenarbeit mit diversen Stakeholdern entwickelt. Noch bis Ende März können Einsprüche gegen den vorliegenden Entwurf an den VDI gerichtet werden:
Mehr zu den Aktivitäten des VDI in diesem Bereich finden Sie hier:


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