29.04.2013 (Kommentare: 0)

Stakeholder-Dialog auf Europa-Ebene?

Dass selbst bei einem derart die Gemüter erregenden Thema wie der „Euro(pa)-Krise“ echter Dialog möglich ist, zeigt ein Projekt des Deutsch-Französischen Jugendwerkes. Es brachte 24 Studenten aus Griechenland, Frankreich und Deutschland zusammen ... mit beeindruckender Wirkung.

In drei jeweils mehrtägigen Seminaren haben sich die Studenten an ihren drei Universitäten gegenseitig besucht, um sich „über ihre gemeinsame europäische Perspektive auszutauschen”. Mit Journalisten, Professoren und Vertretern aus Wirtschaft und Politik haben sie in den vergangenen Monaten versucht, die Krise zu ergründen. Und in gemischten Arbeitsgruppen sind sie in die kulturell bedingten Unterschiede ihrer Wahrnehmungen und gegenseitigen Bilder eingetaucht.

Wie kaum anders zu erwarten, ein konflikthafter Prozess: „Am Anfang waren unsere nationalen Vorurteile klar. Die Gruppendynamik war ziemlich konfliktreich, mit vielen karikaturhaften Bildern anderer Länder, geprägt von den Medien. ... Aber am Ende des Seminars haben wir eingesehen, dass diese Sichtweise nicht stimmt, sie verschlimmert den Konflikt nur. Wir haben herausgefunden, dass Deutsche, Griechen und Franzosen mehr Werte teilen, als die Medien glauben machen.”

Wie konstruktiv ein solcher Dialog für das europäische Projekt sein kann, zeigt das folgende Zitat: „Wir alle haben das Projekt mit Zweifeln an der EU begonnen. Es ist unmöglich, keine Zweifel zu haben - vor allem wenn man ein Grieche ist, der mit monatlich 400 Euro auskommen muss. Aber wir haben alle eingesehen, dass es ohne Europa für jeden schwieriger wäre. Unabhängig von unserer politischen Überzeugung sind wir alle zum Schluss gekommen, dass Europa überleben muss, und die Krise als Beschleuniger der politischen Integration dienen sollte.

Echter Dialog ist an der Einfühlung in den Anderen erkennbar, wie bei dieser deutschen Studentin: „Am eindrucksvollsten waren für mich in diesen drei Wochen die griechischen Studenten. Sie sind unglaublich qualifiziert und intelligent, sie haben so viel Potential und trotzdem stecken sie in solch einer verzweifelten Lage. In Griechenland gibt es so wenige Chancen für sie. Es ist erschreckend, so viel Talent ungenutzt zu sehen." 

Das Dialogprojekt hat einen Teil der Studenten derart berührt, dass sie nun eine eigenständige Fortsetzung planen. Mit dem „Appeal of Thessaloniki – To the forgotten Europeans” haben sie „Demos Europa” gegründet: „We, young people of Europe, want our voice to be heard, and to play our part in tackling the crisis.” Sie wollen eine Bewegung zur Europa-Wahl im kommenden Jahr entfachen. Es ist zu hoffen, dass ihre Inspiration viele andere Europäer erreicht. Wir brauchen mehr solcher Dialoge. Wäre das nicht eine der originärsten Aufgaben europäischer Institutionen: Ihre Bürger beim grenzüberschreitenden Dialog zu unterstützen?

 

Weitere Infos:

zum Projekt beim Deutsch-Französischen Jugendwerk 

Beitrag auf Spiegel-Online

Facebook-Seite von Demos Europa



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