05.03.2009 (Kommentare: 0)

Stakeholder-Beteiligung in der Autoentwicklung

Kann das Opensource-Prinzip auch auf die Autoindustrie übertragen werden? Thomas Hillenbrand, Redakteur bei Spiegel Online, beantwortet die Frage mit einem klaren „Ja”. In seinem Beitrag „Lasst Google Autos bauen”, identifiziert er fünf Felder für den Einsatz neuer, aus der Opensource-Bewegung inspirierter Entwicklungsprinzipien.

Beta-Autos: Kunden werden für Tests mehrerer Designvarianten mit ins Boot geholt. Einen App-Store für den Bordcomputer. Mash-Ups: Das eigene Auto wird aus genormten Teilen verschiedener Hersteller zusammengesetzt. Mitmach-Karossen: Hobby-Designer steuern eigene Entwürfe bei. Und das IPod-Auto, bei dem nur noch die Marke zählt und das von asiatischen Zulieferern gefertigt wird. 

Fast noch interessanter erscheint die zum Beitrag gehörende Forumsdiskussion. Die Stimmen, die grundsätzliche Sicherheitsbedenken haben, halten sich darin etwa die Waage mit denen, die mehr und aktivere Kundenbeteiligung wünschen. Zurecht verweisen Vertreter der ersten Gruppe auf die hohen Sicherheitsanforderungen und die entsprechend aufwendigen Testverfahren. Doch sie schliessen nicht zwangsläufig neue Formen der Co-Kreation durch Stakeholder an der Entwicklung und Fertigung aus.

Der Bedarf und der Wille ist da, wenn man sich die Stimmen der zweiten Gruppe anschaut: „Software und Elektronik ist in vielen Autos einfach grottenschlecht. Mit einem bisschen Gefühl und Interesse für Ergonomie sitzt man manchmal da und weiß nicht, ob eine Funktion jetzt Absicht oder ein Versehen war ...”. „Ich kann mir sehr gut offene Schnittstellen z.B. beim Navigationssystem etc. vorstellen: Nützliche, kleine 3rd Party Applikationen, die sich der Fahrer individuell herunterlädt und die ihm attraktive Mehrwertservices bieten, z.B. Verkehrsinfos, Radarwarner, Wetterinfos, Flottenmanagement, Branchenservices etc.”. „Was könnte es alles geben: Schnittstellen für Entertainment, Telekommunikation und Parametrierung. Sicherheitsrelevante Kommunikationen zu anderen Verkehrsteilnehmern, Schnittstellen zu Tankstellen und Mautsystemen, und und und ...”. „Zum Beispiel wäre es schön übers Internet die Heizung des Autos zu starten oder die Position des Autos abzufragen.”

Die Autoindustrie steht am Anfang eines großen Umbruchs: Jährlichen Produktionskapazitäten von 90 Mill. Fahrzeugen steht ein Markt von nur 58 Mill. Fahrzeugen gegenüber. Die Branche ändert sich rapide. Dies wird vielleicht zu ganz neuen Unternehmenskonzepten und zu neuen Ansätzen der Co-Kreation führen. Dann würden Geschichten wie diese bald nicht mehr erzählt: „Ich werde nie vergessen, wie mir vor einigen Jahren ein Mercedes-Händler auf die Frage nach Getränkehaltern antwortete, dass nur McDonalds-Kunden im Auto trinken, und die wären ja nicht die typische Zielgruppe.”

Dann hätte die Krise zu neuen Chancen geführt: „Im Experiment liegt der Anfang für neue Sichtweisen und Erkenntnisse die uns sonst verborgen bleiben. Mut ist nicht unbedingt eine Tugend großer Industrien, sie ist vielleicht eher die Chance der kleinen beweglichen Unternehmen - jener die eben auch weniger zu verlieren haben. Die Krise wird aber auch hier den "Großen" Mut machen. Da bin ich mir sicher.”

 
Unterschiedliche Ansätze zu einer Stakeholder-Beteiligung gibt es bei diesen drei Entwicklungsprojekten: 



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