26.04.2012 (Kommentare: 0)

Online–Bürgerbeteiligung: ein klares „Ja“ und viele „Aber“

Viel Zustimmung zur Bürgerbeteiligung im Internet, aber auch deutliche Differenzen förderte eine einstündige Experten- und Praktikerkonversation Ende März zutage.  Eingeladen hatten das Kölner Institut für Stakeholder-Dialog gemeinsam mit Synthetron, einem belgischen Beratungsunternehmen. Die 23 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Medien und Wissenschaft erlebten dabei auch eine neue Form von Online- Konversation: Synthetron hat eine gleichnamige Software entwickelt, die in herkömmlichen Browsern einen schriftlichen Meinungsaustausch in Echtzeit, eine Art von Brainwriting, ermöglicht. 

Vorteile bei der Ideengenerierung und bei der Erreichung neuer Zielgruppen
Innerhalb der einstündigen Online-Runde haben die Teilnehmer über 280 Beiträge generiert und dabei Chancen und Grenzen der Online-Bürgerbeteiligung ausgelotet. Über 70 % der Teilnehmer waren sich darin einig, dass Online-Beteiligungsangebote neue Möglichkeiten eröffnen. Sie sehen sie insbesondere in der Möglichkeit, in kurzer Zeit viele Ideen zu sammeln und darin, dass das Internet einen Kanal anbietet, Bürger zu erreichen, die sonst schwer erreicht werden. Deutlich scheint bei den Teilnehmern auch die Erfahrung von Stuttgart 21 nachzuwirken. Denn mit großer Übereinstimmung erwarten sie, dass Bürger zukünftig bereits vor der Durchführung von großen Projekten einbezogen werden. Immerhin noch über 40 % der Teilnehmer trauen Online-Beteiligungen zu, sogar komplett neue gesellschaftliche Systeme hervorzubringen.

Bürger wie Entscheider müssen noch lernen
Weitgehende Einigkeit bestand bei den Teilnehmern auch darin, dass sich die E-Partizipation in einem interessanten Entwicklungsstadium befindet. Hier klingt jedoch schon an, dass noch zahlreiche Herausforderungen bei der weiteren Entwicklung zu bewältigen sind. Die Teilnehmer nannten hier besonders die Verknüpfung von Onlinedialog und persönlichem Austausch, eine klare und durchschaubare Struktur, aber auch die notwendige Stärkung der Kompetenz der Bürger und ihrer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Als weitere Punkte, die einer Entwicklung bedürfen, wurde genannt, dass nicht nur Meinungen addiert werden sollen, sondern auch Ergebnisse verdichtet und zu einem Commitment gebracht werden müssen. Nicht zuletzt wurde als Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz die Ernsthaftigkeit von Regierungen in Beteiligungsprozessen benannt. In dieser Aufzählung wird deutlich, dass die Teilnehmer für die weitere Entwicklung Bewegung von allen Seiten erwarten: von Seiten der Prozesse und Softwarelösungen, von Seiten der Bürger wie auch von Seiten der Regierungen.

Datenschutz, Vernachlässigung persönlicher Kontakte und Beteiligung bei Kosteneinsparungen polarisieren
Bei aller Übereinstimmung sind auch deutliche Polaritäten zutage getreten, die über den Benchmarks von Synthetron bei vergleichbaren Konversationen lagen. Die stärksten Polaritäten zeigten sich bei dem Thema Datenschutz, bei der Frage, ob die Online-Formate zu einer Vernachlässung der persönlichen Kontakte führen und bei der Frage, ob Online-Beteiligung dazu dienen soll, Bürger bei Kosteneinsparungen mit „ins Boot zu holen”. Hier standen sich bei Zustimmung und Ablehnung zwei annähernd gleich große Gruppen gegenüber.

Weitere starke Polaritäten traten bei der Frage nach der Kompetenz der Bürger auf. Sie zeigten sich bei der These, dass manche Themen besser Fachleuten überlassen werden und bei der Frage, ob bei manchen Themen nicht erst ein Studium von umfangreichen Unterlagen zum Mitreden berechtigt.

Die vollständige Auswertung kann unter info@stakeholder-dialog.com angefordert werden. Unter der gleichen Adresse können Sie sich auch zu den geplanten Folgeveranstaltungen anmelden.



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