20.07.2011 (Kommentare: 0)

Dialog auf heiklem Terrain

Für viele Kölnerinnen und Kölner brachte der Einsturz des Historischen Archivs das Fass zum Überlaufen. Als Folge bildete sich die Initiative "Köln kann auch anders", die seitdem die Stadtpolitik kritisch begleitet. Auf ihren Vorschlag hin beschloss der Rat eine vorgezogene Bürgerbeteiligung zur zukünftigen Gestaltung des alten Archivgeländes. Am vergangenen Wochenende fand im Rahmen des Beteiligungsvorhabens ein zweitägiger Workshop in der angrenzenden Kaiserin-Augusta-Schule statt. 

Knapp 80 Anwohner des Georgsviertels und der Südstadt, zahlreiche Mitglieder von Initiativen, Vertreter der anliegenden Schulen, interessierte Bürger und Vertreter der Stadtpolitik und der Stadtverwaltung nahmen teil. Schon zu Beginn wurde deutlich, dass von allen Seiten ein Vertrauensvorschuss erforderlich ist. Den ersten Schritt dazu machte Kölns Baudezernent Bernd Streitberger, indem er zu Beginn nach aufkommenden Unmut , drohenden Denkverbote aus dem Weg räumte und ein offenes Gespräch anbot über alle Punkte, die die Bürger bewegen.
  
Diese Aussage wirkte befreiend. In den vier gebildeten Arbeitsgruppen (Bebauung, Freiraumgestaltung, Gedenken und Schulen im Viertel) entstanden sofort intensive Gespräche, die eine Fülle von Einzelaspekten zutage förderten. Trotz mancher Meinungsunterschiede auch zwischen den Bürgern prägten die Arbeitsgruppen ein konstruktives Klima, in dem allen Stimmen aufmerksames Gehör fanden. Am zweiten Tag wurden die Ergebnisse nochmals vertieft, dann konnten die AG-Teilnehmer frei in die anderen Themengruppen wechseln und die dort gefundenen Ergebnissen mit reflektieren. So entstand nach und nach ein Gesamtbild, in dem viele Punkte Konsens sind und einige noch verbleibende Differenzen klar benannt werden konnten.
  
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer benannten in der abschliessenden Schlussrunde im Plenum mehrere positive Wirkungen des Workshops:  Ihr Wissen um die Bedingungen und Bedürfnisse hat sich vergrößert, sie hatten das Gefühl wirklich Gehör zu finden, und das Miteinander zwischen Verwaltungsvertretern und Bürgern wurde sehr gelobt. 
  
Der Vertrauensvorschuss hat sich auch für die Vertreter der Stadt ausgezahlt. Es sind zahlreiche Ideen und Vorgaben für die folgenden Planungsphasen entstanden, unter anderem die Erkenntnis, dass es Sinn macht, das bisherige Planungsgebiet weiter zu fassen, und anliegende Straßen und Plätze mit einzubeziehen. Eine Erkenntnis, die nur durch die bedingungslose Öffnung des Dialogs zu Anfang möglich wurde. 
  
Nachtrag:
Ein Bericht zum Prozess findet sich hier. Wobei die Bürger in dem Workshop eben gerade nicht wie im Artikel beschrieben „alle ein zweitägiges Block-Seminar in Stadtplanung und Baurecht mit anschließender Vertiefung über sich ergehen ließen”. Eine solche Gestaltung wäre an den Interessen der Bürger vollkommen vorbei gegangen.


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